Vom Klosterkotten zum Fischhof - Von Gisbert Strotdress und Josef Kampmann

Suche nach Zubrot

Friedrich Baumüller junior beackerte die Ländereien des Kotten und verdiente ebenfalls ein Zubrot: nicht als Schneider wie sein Vater, sondern als Schreiner und Zimmermann. Diese Tätigkeit scheint vergleichsweise einträglich gewesen zu sein. Denn immerhin schaffte er es, die jährliche Erbpacht von 2 Reichstalern durch eine einmalige Zahlung von 40 Reichstalern abzulösen. Der Hof war zwar immer noch klein, aber er war nun rechtlich selbständig und Eigentum der Familie.
Einen wiederum anderen Weg, zur kleinen Landwirtschaft etwas hinzuzuverdienen, schlug sein Sohn Franz Baumüller ein. Er arbeitete als Kleinbauer – und als Maurermeister. Später versuchte er sich auch als Gastwirt. Dieses Vorhaben wurde beendet, ehe es recht begonnen hatte, denn er erhielt keine Ausschank-Genehmigung.

Diese Suche nach einem Zuverdienst bildet den roten Faden durch die Geschichte des Hofes und der Familie Baumüller – bis in die jüngere Vergangenheit. Als Hubert Baumüller in den 1960er Jahren das elterliche Erbe antrat, war der Hof rund 12 ha groß. „In den 20er Jahren hatte mein Vater einige Grundstücke erwerben und den Betrieb ausbauen können“,

erzählt er. Etwa sechs bis acht Milchkühe standen im Stall, dazu Jungvieh und zehn Schweine, als Baumüller den Hof übernahm. Darüber hinaus betrieb er einen ambulanten Milchhandel. Doch das lohnte sich immer weniger, die Konkurrenz der Supermärkte wurde zu groß.

Baumüller schlug einen völlig anderen Weg ein. Ausgerechnet im Strullbach, der uralten Grenzlinie, fand er eine Möglichkeit des Zuverdienstes. Das Quellwasser entspringt in der Nähe und durchquert sein Eigentum. 1968 erhielt der Landwirt eine Genehmigung, um Fischteiche anzulegen. Er setzte Forellen aus und gab Angelscheine für Sportangler aus.
1972 errichtete er eine Räucherei. Später baute er die Stallungen um. Darin brachte er Wasserbecken zur Fischzucht unter. Drei eigene sowie hinzugepachtete Fischteiche bilden heute das Fundament der Hofstätte, die inzwischen vom Sohn Frank Baumüller und seiner Frau bewirtschaftet wird. Neben der Fischzucht und -vermarktung betreibt er weiterhin die „klassische“ Landwirtschaft, wenn auch in bescheidenem Umfang: Auf den Ländereien reift Getreide, die Weiden liefern Futter für die 35 Schafe, und zum Weihnachtsfest hin werden Gänse gemästet und direkt vermarktet. (Gisbert Strotdrees)