Vom Klosterkotten zum Fischhof - Von Gisbert Strotdress und Josef Kampmann

Streit um Huderechte

Noch auf dem Territorium der Grafschaft Mark, unmittelbar am Grenzbach, baute sich der Sohn des schwäbischen Zuwanderers, Caspar Baumüller, eine kleine Existenz auf. Mit seiner Frau Elisabeth geb. Fischer aus Warmen bewohnte er das Häuschen, das er 1773 auf dem vom Kloster überlassenen Erbpachtland errichtet hatte. Für das Land hatte er jährlich zwei Reichstaler Erbpacht zu zahlen. Dafür erhielt er die Nutzungsrechte an den Grundstücken und ein „Huderecht“ für zwei Kühe und ein Rind. Diese Tiere durfte er auf die Weideplätzen des Klosters austreiben und dort weiden lassen. „Dieses Recht“, so betont Josef Kampmann zu Recht, „stellte seinerzeit einen besonderen Wert da, denn Caspar Baumüller hatte sonst keine Möglichkeiten, sein Vieh durchzubringen.“

 

Genau um dieses Huderecht kam es in der nächsten Generation zum Streit. War der Vater Caspar Baumüller noch im Kloster tätig, so verdiente sich sein Sohn Friedrich als Schneider ein Zubrot. Das Kloster war inzwischen aufgelöst und als Domäne an den Reichsfreiherrn vom und zum Stein verkauft worden; es ist noch heute im Zuge der Erbfolge

im Besitz der Nachkommen, heute des Grafen von Kanitz zu Cappenberg.

Die damaligen Eigentümer der Domäne bestritten, dass dem Schneider und Kleinbauer Baumüller das Huderecht zustand. Friedrich Baumüller wurde 1829 sogar zu vier Reichstalern Strafe verurteilt; da er dieses Geld nicht zahlen konnte, wurde ihm ein Rind und ein eiserner Topf gepfändet. Doch der Kleinbauer gab nicht auf. Er bot zehn Zeugen auf, die bestätigten, dass der Familie das Huderecht zustand.

Über 23 Jahre zog sich der Rechtsstreit zwischen der Domäne und Friedrich Baumüller hin. Erst sein gleichnamiger Sohn erlebte, dass 1852 der Streit mit einem Rezess beendet werden konnte. Friedrich Baumüller junior verzichtete auf das ihm zustehende Huderecht; von Seiten der Eigentümerin, der Gräfin von Kielmannsegg, geb. Freiin vom Stein, erhielt er im Gegenzug 2 Morgen 70 Ruthen und 23 Fuß Acker, dazu noch 64 Ruthen und 787 Fuß Hudeland.

 

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